
Efteling, Kaatsheuvel, NL (kpr) – Willem van der Decken führt ein Doppelleben. Tagsüber erfolgreicher Frachtkapitän, kapert er des nächtens Schiffe. Er ist der Fliegende Holländer. Und Efteling sprichwörtlich sein Heimathafen…
“Kennst Du die Geschichte denn?”, frage ich Inna, die mit mir gerade Düsseldorf verläßt. Wir fahren auf der Autobahn Richtung Venlo. Das liegt an der holländischen Grenze. Danach werden wir noch Eindhoven passieren um in der Nähe von Tilburg und Breda endgültig unser Ziel zu erreichen. Efteling in Brabant ist einer der schönsten Freizeitparks Europas, mein ganz persönlicher Favorit und wenn es nach dem bedeutendsten internationalen Parkbetreiberverband geht: einer der Top-Themenparks weltweit. “Du meinst den Fluch?”, fragt sie mich. Und weiter: “Erzähl’ doch mal. Ich bin schon richtig gespannt. Du hast mir ja schon so viel davon erzählt.”
Willem van der Decken ist erfolgreicher Kapitän der ‘Verenigde Oost-Indische Compagnie’ (VOC). Auf Java und den Molukken erwirbt er stets grössere Ladungen Ware, die in den Niederlanden gutes Geld einbringen. Sein Schiff, ‘Den Hollander’ ist das schnellste der VOC. Es bringt die Schiffsladung in Rekordzeit in die Niederlande.
Jahre vergehen. Van der Decken wohnt zusammen mit seiner Frau Catharina im schönsten Haus am Stadtrand mit Aussicht auf den Hafen. Er genießt seinen Wohlstand und das gute Leben. Was niemand ahnt: es klebt Blut an seinem Erfolg. Und kein Mensch weiß vom düsteren Dopelleben des Kapitäns. Sein großer Erfolg machte ihn habsüchtig. Van der Decken ist Kaperkapitän. Er plündert ganze Küstendörfer und entert Schiffe. Dabei schreckt er vor nichts zurück. Auch nicht vor Mord, um sein Geheimnis zu bewahren. Und wie er gekommen ist, so verschwindet er wieder im Nebel… In einem Geheimgang versteckt er seine Beute. Die Katakomben gleichen schon bald einer riesigen Schatzkammer.
Doch trotz seines Erfolges lebt Kapitän Van der Decken mehr und mehr einsam. Dem kauzigen Eigenbrötler will sich so recht niemand dazugesellen. Er geht auf die Suche nach unerfahrenen Jungen, da sonst niemand mehr für ihn arbeiten will. Im Café zum Lamm trinkt Van der Decken stets allein auf seine Erfolge. Alles und jedes wird ihm gehören. Er steht über allem. Doch seine Habsucht wird ihn schon bald etwas kosten.
Wir schreiben das Jahr 1678 als Kapitän Willem Van der Decken am ersten Ostertag gegen alle Regeln mit seiner Mannschaft gen Osten lossegelt. Selbst ein rasender Sturm kann ihn nicht davon abhalten, seine Mannschaft gen Osten aufs offene Meer hinaus zu schicken. Auch nicht als seine Mannschaft ihn aus Angst davor abhalten will. Gott lästernd spricht er jenen unheiligen Schwur:
“Ik zal vaeren, storm of gheen storm, Paesen of gheen Paesen. Ik zal vaeren, al is het tot in den eeuwigheid!”
Gegen alle Regeln hält Willem van der Decken das Steuer gen Osten und widersetzt sich den Elementen. Er beschliesst damit sein eigenes Schicksal. Sein Schiff verändert sich in ein mysteriöses Spukschiff, das für alle Ewigkeit die Weltmeere befahren sollte – als ‘De Vliegende Hollander’… Auf geheimnisvolle Art entfachte zur gleichen Zeit ein Feuer in seiner Wohnstatt und brannte sein Wohnhaus völlig aus. Zutage trat eben jener geheime Gang mit all seinen Schätzen, der vom düsteren Doppelleben des Willem van der Decken Zeugnis gab. Er und sein Schiff wurden niemals mehr gesehen – wirklich nie mehr?
Jahre später berichteten Seeleute, sie hätten ein Geisterschiff über das Wasser fliegen sehen. Mit schwarzem Rumpf und brennenden Seilen, das in einem fort unvermittelt gegen den Wind hielt. Auf der Reeling die Silhouette eines unbeweglich stehenden Mannes. Ein Kapitän, der Unglück, Tod und Verderben bringt.
“Ganz schön schaurig”, meint Inna. “Ja, in der Tat”, sage ich. Und Efteling erzählt wieder einmal mehr auf professionellste Art und Weise eine bereits existierende Geschichte. “Was erleben wir denn da?”, fragt mich Inna. Ich sehe kurz zu ihr hinüber und lächle verschmitzt: “Das werde ich Dir vorab ganz sicher nicht verraten.”
Motiv (Fotomontage): Efteling, Ingo H. Klett – Model: Inna M., Düsseldorf;